Montag, 13. Juli 2015

Rezension: Versprich mir einen Kuss von Anna Fricke

Hiho!

„Versprich mir einen Kuss“ ist ein Buch, das ich schon sehr lange gelesen habe. Irgendwann Anfang diesen Jahres. Ich hatte es bei KaSas-Buchfinder im Adventskalender gewonnen. Und seither quäle ich mich mit der Rezi dazu. Ich hatte sehr viel Gutes über das Buch gelesen und mich wirklich darauf gefreut es zu lesen.

Der erste Eindruck hat mich gleich positiv gestimmt. Immerhin beginnt es mit einem Zitat aus einem meiner Lieblingslieder: "Try" von Pink. Aber leider hielt dieser gute Eindruck nicht lange an. Ziemlich schnell war ich eher genervt und musste mich zwingen weiter zu lesen. Ich hatte eine Rezi versprochen. Und bei den vielen lobenden Worten anderer muss es doch gut sein, oder?

Ich habe mir massig Notizen gemacht, möchte aber trotzdem versuchen, meine Gedanken zusammenzufassen und in mein gewohntes Rezi-Muster zu bringen.


LG,
Eure Insi

Vergebene Sterne: 1,5/5









(c) Anna Fricke

Kaufbar bei:

Amazon (Print & .mobi-Format)

Seiten: 212

Preis: 3,39 € / 9,99 €






Klappentext:


Zwei Menschen, verbunden durch eine grausame Fügung.
Julias Glück zerbricht, als sie ihren Mann verliert. Ihr Leben scheint sinnlos geworden zu sein, bis sie auf Stephan trifft. Eine heilende Verbindung entsteht, doch dann schlägt das Schicksal erneut zu.

Julias Entscheidung, ihrem Mann zu folgen, kann und will Stephan nicht akzeptieren. In einer Zeit voller Schmerz, Angst und Trauer beginnt eine zarte Liebe zu erblühen. Werden die Gefühle stark genug sein, der verzweifelten Julia neue Hoffnung zu schenken?


Der Stil:


Den Prolog fand ich verwirrend, die ersten Seiten noch ganz gut. Aber dann nahm „Versprich mir einen Kuss“ nach und nach doch mehr die Züge einer Nacherzählung an. Leider so gar nicht mein Fall. Da kommen keine Emotionen rüber, da baut sich keine Spannung auf.

Mir persönlich ist das auch alles etwas zu steif geschrieben, nicht flüssig genug. Stellenweise wirken die Sätze sehr abgehackt. Vielleicht soll damit Spannung erzeugt werden, was der Autorin aber leider nicht gelingt. Insgesamt ist der Erzähler sehr weit weg.

Durch das komplette Buch hinweg sind immer wieder Grammatikfehler zu finden, die den sowieso kaum vorhandenen Lesefluss noch weiter einschränken. Besonders schlimm wird es im letzten Viertel. Da hat sich mir der Eindruck aufgedrängt, dass die Autorin nur noch fertig werden wollte und keinen Wert mehr auf eine sorgfältige Überarbeitung gelegt hat.


Die Charaktere:


Da der Erzähler so weit außenstehend ist, habe ich überhaupt keinen Zugang zu den Figuren finden können. Julias Taubheit, Verzweiflung und Wut zu Beginn konnte ich überhaupt nicht nachempfinden, ich hab einfach keinen Zugang zu ihr gefunden.

Ihr Verhalten ist auch immer wieder völlig unlogisch und nicht stringent: Die Rücksicht einer Freundin scheint erst willkommen, eine Seite später stört sich Julia daran. Erst heißt es, dass Julia in ihrer Trauer kaum isst, bzw nichts zu essen kauft, dann etwas später ist Essen ihre schon immer eine Hilfe, mit Problemen umzugehen. Außerdem finde ich es unrealistisch, dass alle sich Sorgen machen, dass sie zu wenig isst, obwohl sie zugenommen hat. Auch soll sie sich anderen gegenüber irrational und unfair Verhalten - für beides finden sich keine Belege im Text.

Die Gedanken, die sie später bezüglich ihrer Gefühle für Tobias und Stefan hat, verwirren mich ziemlich und sind nur bedingt nachvollziehbar. Da passt auch die Darstellung teilweise nicht so zu der eigentlichen Erzählweise von weit außerhalb.

Auch mit Stefan konnte ich nichts anfangen. Außerdem muss der Typ sich Klonen können. Julia geht während der Ladenöffnungszeit zu seinem Laden, und als sie ankommt ist grade eine Gitarrenstunde rum – wie kann er unterrichten und seine Kunden gleichzeitig betreuen? Vor allem sind sein Laden und der Unterricht nur ein Hobby, er ist hauptberuflich Streetworker Achja. Frau und Kind hat(te) er auch noch, bzw ist später ständig bei Julia im Krankenhaus.
Wie viele Stunden hat bitte sein Tag?

Dass die beiden bis zum Schluss so gar keine Idee haben, was in dem anderen vorgeht ist für mich ebenfalls nicht nachvollziehbar. Dass Stefan denkt, es gebe einen anderen, oder sagt, dass er sie nicht kennt... Er sitzt über 4 Wochen jeden verdammten Tag bei ihr. So blind kann er nicht sein. Und Julia auch nicht. Wieso sollte er jeden Tag bei ihr sein und all das tun, was er tut, wenn sie ihm egal ist? 


Die Story:


Vielleicht vorweg:
Auch wenn viele Selfpublisher dem Lektorat/Korrektorat kritisch gegenüber stehen. Bei diesem Buch hätte ich mir eines, oder zumindest sorgfältige Testleser gewünscht. Neben den Grammatikfehlern, über die ich ab und an noch hätte hinwegsehen könnte, häufen sich hier aber auch die Logikfehler im Storyverlauf.

Am Anfang fällt es besonders bei der Zeitlinie auf. Was einmal 2 Wochen sind, sind wenige Sätze später nur eine. Was an einer Stelle ein Jahr her ist, ist ein paar Absätze später nur 100 Tage her… Solche Fälle gibt es immer wieder: An der Scheibe von Stefans Gitarrenladens hängen Fotos von Konzerten und Stephan. Und dann 2 Sätze später ist nur ein einzelnes Bild von Stephan auszumachen.

Der Prolog ist nachdenklich, verwirrend. Zunächst aber wohl für viele Mädels nachvollziehbar, die mal unglücklich verliebt waren. Da hat man eben manchmal ein Gedankenwirrwar im Kopf. Genauso wie den brennenden Wunsch im Bauch, dem Typen, der an all dem schuld ist, all diese Gedanken an den Kopf zu werfen und ihm zu zeigen, was er angerichtet hat.

Wenn man allerdings weiterliest, merkt man irgendwann, dass der Eindruck, den man am Anfang hatte gar nicht stimmt. Was wie große Gefühle und wohl auch eine Affäre klingt, war eigentlich nur eine kurze Schwärmerei der Protagonistin Julia mit Anfang/Mitte zwanzig. Und damit wirkt der Prolog auf mich im Nachhinein aufgesetzt und übertrieben.

Die Beschreibung des Krankheitsverlaufs und der Therapie sowie der zugeknallte Therapieplan scheinen mir total an den Haaren herbeigezogen vor. Jeder Mensch reagiert andere auf die Chemo. Manche stecken Sie recht gut weg, andere eben nicht. Genauso ist es mit dem Ausfallen der Haare... Das passt so gar nicht zu den Erfahrungen und Erzählungen die ich mit Krebspatienten gemacht habe.
Auch, dass sie nach der ersten Untersuchung schon alle Infos hat und genau weiß, wie schlimm es steht... Da wurde doch noch kein Krebsgewebe entnommen, ins Labor geschickt und untersucht.

Außerdem nimmt Julia unnatürlich viel ab den ersten 4 Wochen der Chemo. Klar ist es anstrengend für den Körper, aber Krebspatienten können/dürfen ganz normal essen... Dass sie ein bisschen abnimmt? Klar. Aber von eher etwas mollig auf abgemagert? Finde ich nicht realistisch... Auch nicht das sämtliche Muskeln verschwunden sein sollen, wenn sie vorher einige hatte. Von 73 auf 55 und dann innerhalb weniger weiterer Tage auf unter 50, wie man später erfährt - na ich weiß ja nicht.

Ich hätte mir bei so einem ernsten Thema etwas mehr Recherche und Seriosität gewünscht.

Der Eindruck der schlechten Recherche erhärtet sich auch an anderer Stelle: Die Reitlehrerin lässt Stefan, der nach eigenen Angaben noch nie geritten ist, alleine mit seinem Pferd in der Bahn reiten und er soll sogar traben. Welcher gute, Verantwortungsbewusste Reitlehrer tut so was...?


Mein Fazit:


Leider ziemlich vernichtend. Eine schlecht recherchierte, unglaubwürdige und vorhersehbare Story. Unsaubere und blasse Charaktere zu denen ich keinen Zugang gefunden habe. Ein langweiliger Schreibstil inklusive einiger Fehler.






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